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Ingo

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Wassermann

1

Freitag, 11. Dezember 2009, 13:10

Guédelon eine Burg entsteht

Neues aus Guédelon eine Übersicht


Es wird nun seit 11 Jahren an der Burg gebaut.




Im Herzen der Puisaye, einer unberührten Region des Burgunder Departements Yonne stellen sich rund fünfzig Werkleute einer ausserordentlichen Herausforderung : Sie bauen eine Burg mit Materialien und Techniken, wie sie im Mittelalter gebräuchlich waren.
Mitten in der herrlichen Natur, an einem Ort, wo sämtliche zum Bauen notwendigen Materialien wie Holz, Erde, Sand und Ton zur Verfügung stehen, bauen Steinbrecher, Steinhauer, Maurer, Holzfäller, Zimmerleute, Schmiede, Ziegler, Karrer, Korber und Seiler Tag für Tag unter den Augen von tausenden von Zuschauern eine veritable Ritterburg.
Die Bau wurde 1997 begonnen, und dürfte gegen 25 Jahre dauern.
Das Hauptinteresse eines solchen Abenteuers liegt in der Beobachtung der unterschiedlichen Arbeitsphasen. Jede Bauetappe ist auf ihre Weise einzigartig und stellt jeweils ein gesondertes Ereignis dar.
Was immer auch die Beweggründe für die Lancierung dieses Abenteuers gewesen sein mögen, Guédelon erfüllt in mancher Hinsicht Träume und Erwartungen der Menschen des 21. Jahrhunderts. Nebst wissenschaftlichen, historischen, pädagogischen und touristischen Anforderungen sind vor allem die zwischenmenschlichen Aspekte der Baustelle von hoher Bedeutung.







Historischer und architektonischer Rahmen




Der historische Rahmen:




Um das Abenteuer Guédelon zu gründen, mussten zuerst die historischen und chronologischen Abläufe geklärt werden. Bei Baubeginn schreiben wir das Jahr 1226. Louis IX, der spätere Heilige Ludwig, ist in Reims soeben zum König gekrönt worden. Weil er noch zu jung ist, die Regentschaft anzutreten, vertritt ihn bis 1235 seine Mutter, Blanche von Kastilien.
Die Puisaye ist zu jener Zeit unter Kontrolle des Barons Jean von Toucy. Im Südosten liegt die Grafschaft Auxerre-Nevers unter der Herrschaft von Mahaut von Courtenay und im Norden das den Kapetingern gehörende Gâtinais. Am Vorabend des sechsten Kreuzzugs befindet sich die Puisaye demnach in einer Periode relativer Ruhe.

Der architektonische Rahmen:




Weder Ruine noch Spuren davon waren an dem Ort vorhanden wo die zukünftige Burg von Guédelon steht. Sie ist eine reine Neuschöpfung unter Verwendung des durch Philipp II. August eingeführten Architektur-Kanons des 12. und 13. Jahrhunderts.
Philipp II. August, französischer König von 1180 bis 1223, hat innerhalb seines Machtbereichs eine Standardisierung der Festungsarchitektur angestrebt. Die Schlösser Louvre in Paris, Yèvre-le-Châtel im Loiret oder diejenigen im nahen Ratilly und in Druyes-les-Belles-Fontaines (Yonne) sind einige Beispiele dafür.
Die sogenannt philippinischen Burgen weisen folgende Charakteristiken auf: Über rechteckigem Grundriss erheben sich hohe Schildmauern deren unterste Teile oft angeschrägt sind und in einem Trockengraben stehen; zylindrische Ecktürme sind auf verschiedenen Niveaus mit einfachen, wechselständigen Schiessscharten versehen; der Hauptturm ist höher und mächtiger und zwischen den beiden Tortürmen ist ein Châtelet angeordnet.
Zu jener Zeit hatte Philipp II. August mit geschickten Bündnis- und Eheverträgen eine dauerhafte kapetingische Expansionspolitik begonnen, was die Adoption eines französichen statt eines burgundischen Architektur-Vorbilds in diesem Teil der Yonne rechtfertigte.


Der gesellschaftliche Rahmen:




Der Lehensmann von Guédelon, Guilbert, könnte als kleiner Junker dem Herrn von Ratilly verpflichtet gewesen sein. Dieser wäre seinerseits Gefolgsmann des Herrn von Perreuse, einem Vasall des Baron de Toucy gewesen.
Guilberts Lehensherr hat ihm soeben die Bewilligung für den Schlossbau erteilt.
Seine relativ bescheidene Stellung in der Feudalhierarchie und seine beschränkten finanziellen Mittel ermöglichen ihm den Bau eines « kleinen » Schlosses - weit entfernt von den Abmessungen der königlichen Schlösser des Louvre in Paris oder von Brie-Comte-Robert im Departement Seine-et-Marne. Im Fall von Guédelon würde man also eher von einem Landsitz sprechen.



Die Pläne von Guédelon




Weil Guédelon nicht eine Restaurierung sondern ein Neubau ist, waren komplette Pläne auszuarbeiten, um eine Baubewilligung zu erhalten.
Dem Chef-Denkmalpfleger Jacques Moulin wurde die Arbeit übergeben, die Pläne unter Berücksichtigung des Architektur-Kanons von Philipp II. August auszuarbeiten.Diplomiert an der Ecole pratique des hautes études, wo er gerade seine Doktorarbeit über Pierre de Montreuil und die Architektur des 13. Jahrhunderts vorbereitete, war Jacques Moulin prädestiniert für dieses Projekt.Aufgrund seiner Restaurierungs-Erfahrung in Provins, schlug er vor, das eigentliche wissenschaftliche Element mit der öffentlichen Präsentation zu verknüpfen. Genauer gesagt, in Guédelon sollte nicht die Burg als solche im Vordergrund stehen, sondern ihre Errichtung. Die Absicht war gewagt, galt es doch sowohl mit der seriösen wissenschaftlichen Komponente auf Fragen von Mediävisten zu antworten, als auch dem interessierten Besucher gerecht zu werden.

Aufgrund seiner Restaurierungs-Erfahrung in Provins, schlug er vor, das eigentliche wissenschaftliche Element mit der öffentlichen Präsentation zu verknüpfen. Genauer gesagt, in Guédelon sollte nicht die Burg als solche im Vordergrund stehen, sondern ihre Errichtung. Die Absicht war gewagt, galt es doch sowohl mit der seriösen wissenschaftlichen Komponente auf Fragen von Mediävisten zu antworten, als auch dem interessierten Besucher gerecht zu werden.
Vorwort von Jacques Moulin zusammengestellt durch Monelle Hayot für "La Demeure Historique"

Die Baubewilligung wurde von der Gemeinde Treigny am 25. Juli 1997 erteilt.

Die Pläne von Jacques Moulin geben uns eine generelle Vorstellung des Bauwerks: Stellung der Türme, Bauteile, Niveaus, etc. Die Details hingegen (Gewölbe, Fenster, Treppen, Türen, etc.) bilden Teil der Ausführungspläne, die durch den leitenden Bauführer, Florian Renucci gezeichnet worden sind.












Mehr dazu hier
Anmerkung von Ingo: Das ist ein Beitrag von mir aus einem anderen Forum vom Montag, 15. September 2008, 10:57 Uhr,daher denke ich mal das er nicht sooo aktuell ist ich empfehle daher den von mir angegebenen Link zu benutzen da man dort gleich auf die Seite der burg kommt ;) .
LG Ingo
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Hatti (11.02.2010), Conan (22.04.2010)

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Wassermann

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Sonntag, 31. Januar 2010, 20:40

Hier ein Video zum Bau von Guédelon das ich auf youtube gefunden habe.Ist auf jedenfall sehr interissant und sehenswert
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Kalojan

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Waage

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Donnerstag, 11. Februar 2010, 12:59

Ich finde die Idee von denen Klasse! Das ist eine super experimentalarchäologische Methode, um viele Dinge zum Burgenbau im Mittelalter zu lernen.

Danke vielmals für den Beitrag :thumbsup:
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Wassermann

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Samstag, 22. März 2014, 18:38

Etwas neues mal eben auf die Schnelle zum Burgnachbau in Guedelon.
Nun kann man die Burg auch mit dem Google Streetview erkunden,ist echt eine tolle Sache. :thumbup:
https://www.google.de/maps/@47.583121,3.…iGOGsIA!2e0!3e5

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Hatti (22.03.2014)

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Wassermann

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Dienstag, 8. Mai 2018, 20:10

Hier nun mal der Link zur Webseite.Inzwischen hat sich viel getan und es geht vorran.
Die Seite ist übrigens auch auf deutsc verfügbar.
https://www.guedelon.fr/de/
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Verwendete Tags

Burg, Frankreich

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