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Ingo

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Wassermann

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Dienstag, 27. April 2010, 19:15

Was ist Reenactment? Die Erklärung

Was ist
Reenactment?

[to re-enact (engl.): wiederholen, nachstellen/-spielen]

Reenactment bezeichnet die historisch orientierte Darstellung von ehemals real existierender Kleidung, Gerätschaften und Lebensweisen.
Anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Quellenmaterial wird versucht, ein realitätsnahes Bild von der Lebensweise und Ausstattung einer bestimmten historischen Personengruppe darzustellen.
Desweiteren wird die Nachstellung von historischen Begebenheiten, etwa einer militärischen Auseinandersetzung, mit diesem Begriff bezeichnet.


Bürgerkriegsre-enactment in Hagerstown, Maryland, USA

Die Idee

Geschichte erlebbar machen: Für viele Menschen ist dies ein Traum. Einmal selbst zu fühlen, wie sich Menschen aus anderen Epochen wohl gefühlt haben mögen, Teile des damaligen Lebens nachzuempfinden und damit seine eigenen Erfahrungen zu machen, fasziniert viele Leute jeden Alters und Geschlechtes.
Auch von der Wissenschaft, seien es nun Historiker, Archäologen oder Kulturwissenschaftler, werden die Versuche, ein immer genaueres Abbild damaliger Kleidung und Gerätschaften sowie deren praktischer Anwendung zu schaffen, mit Interesse beobachtet.

Umsetzung

Die funktioniert Re-enactment nun genau?
Der erste Schritt ist meistens, daß der zukünftige Re-enactor geschichtliches Interesse an einer bestimmten, frei ausgewählten Epoche entwickelt. Dies kann die römische Kaiserzeit, der amerikanische Bürgerkrieg oder, wie im Fall von Furor Normannicus, das Hochmittelalter sein.
Mit dem Vorsatz, möglichst viel über diese Zeit zu erfahren, sammelt man nun Wissen an, indem man Bücher liest, Museen besucht und/oder Originalquellen (etwa Statuen an Kirchen etc.) auswertet.
Anhand der gesammelten Informationen erwählt man nun eine Person, die man gerne darstellen möchte. Dabei ist es wichtig, welchen Status die Person hat, welche Kleidung sie demnach trägt und wie sie ausgerüstet ist.
In meist mühevoller Kleinarbeit wird nun die Ausstattung rekonstruiert.

Beispiel:
Man interessiert sich sehr für das Mittelalter und beschließt nun, eine praktische Darstellung anzustreben.
Zunächst ist es nun notwendig, sich für eine bestimmte Zeit festzulegen. Da man schon immer ein großer Fan von Richard Löwenherz war, wählt man die 90er Jahre des 12. Jahrhunderts aus.
Nun muß für die Darstellung eine Nationalität / Kultur erwählt werden. Wir entschließen uns nun für England.
Aufgrund des sozialen Systems Englands zu Zeit Richards I., ist es notwendig, sich für einen Stand zu entscheiden. Wir möchten gerne Schwertkampf machen, also nehmen wir am besten einen Adligen - einen Ritter.
Natürlich hätte man auch einen Bauern, einen Geistlichen oder Soldaten wählen können, je nach Belieben.
Mit dieser Rolle, ein englischer Ritter zur Zeit Richards, kann man nun anhand von wissenschaftlichen Arbeiten ein Kleidungskonzept entwerfen.
Dazu gehört die Auswahl zeitgenössischer Materialien und Herstellungsformen genauso dazu wie die regelmäßige Überprüfung auf Originaltreue während des Herstellungsprozesses.

Der Auswahlprozeß verläuft also in etwa nach folgenden Kriterien:

> Epoche (z.B. Mittelalter, Neuzeit)

> Zeit (Jahrhundert, -zehnt, Jahr)

> Kulturkreis (z.B. europäisch, orientalisch)

> Volk, Stamm, Nation (z.B. Normannen, Franzosen, Skythen)

> sozialer Stand (z.B. Mittelschicht, Adel, Unterschicht, Klerus)

> Rolle, Beruf, Aufgabe (z.B. Soldat, Ritter, Händler)
eventuell erfolgt auch eine exakte Eingrenzung, meist durch ein:

> Historisches Ereignis (z.B. Amerikanischer Bürgerkrieg, Französische Revolution)


Um eine fachgerechte Darstellung zu ermöglichen, muß der Re-enactor folgende Hilfsmittel benutzen:

>Fachlektüre: Das Studium von Fachbüchern und Abhandlungen über das gewünschte Thema ist nötig, um einen generellen, später auch einen detaillierten Wissensstand zur gewählten Zeit zu erhalten.

>Quellenstudium: Originalstücke aus der jeweiligen Zeit bieten eine nicht zu ersetzende Authentizität, die bei der Erstellung eigener Kleidung und Geräten hilft. Dabei ist die Quellenlage natürlich in den verschiedenen Zeitepochen unterschiedlich günstig, so gibt es etwa mehr erhaltene Quellen aus dem Hochmittelalter als aus der Antike, während Relikte aus den beiden Weltkriegen teilweise noch auf Flohmärkten zu erstehen sind, und so weiter.
Museen und Galerien, aber auch Kirchen und Statuen bieten dem Re-enactor den richtigen Ort zum Selbststudium.

>Eigenerfahrung: Letztendlich ist die praktische Arbeit, wenn sie einmal theoretisch untermauert ist, die schnellste und eindrücklichste Art, Geschichte erlebbar zu machen. Wie fühlt sich diese Rüstung auf der Haut an? Wie bereitet man zeitgenössische Speisen? Wie rekonstruiert man mit historischen Mitteln vorbildgerechte Geräte oder Kleidung?
Mit der Eigenarbeit trifft man den Kern des Re-enactment: Nachfühlen, wie es damals wahrscheinlich gewesen ist.

Darstellung

In der Darstellung schließlich findet sich der Versuch wieder, historische Lebensweisen nachzuempfinden.
Die Aktiven sämtlicher Re-enactmentrichtungen finden sich zu Themenveranstaltungen zusammen, etwa der Nachempfindung eines Zeltlagers oder der Nachstellung einer historischen Schlacht.
Auf diesen Veranstaltungen ist das Bemühen groß, alles so aufeinander abzustimmen, daß der Eindruck historischer Richtigkeit so wenig wie möglich getrübt wird.
Somit findet die historische Darstellung während der gesamten Veranstaltung statt, was wiederum voraussetzt, das sich alle darauf einlassen.
Dies setzt wiederum ein großes Rollenverständnis voraus, das in einem fundiertem Wissen begründet sein sollte, damit die Darstellung überzeugend wirkt.
Beispielsweise sollte ein mittelalterlicher Bettler keinen Adligen in dessen Gegenwart verwünschen, ohne Strafe zu erwarten. Auch macht ein griechischer Hoplit mit Zigarette und Bierflasche keine gute Figur.
Abschweifungen in zeitfremde Sphären (Mobiltelefone im Mittelalter, z.B.) zerstören schnell die Atmosphäre.
Deswegen sind alle Re-enactmentveranstaltungen thematisch auf eine bestimmte Epoche oder ein bestimmtes Ereignis begrenzt, in dem sich die Akteure bewegen.
Wenn alles stimmt, schafft man zu einem bestimmten Teil einen Spiegel der Vergangenheit. Eine Darstellung, wie es hätte gewesen sein können, wenn man zu dieser Zeit gelebt hätte.
Der Reiz an diesem Hobby liegt sicherlich vor allem darin, einen Hauch der Geschichte einzuatmen. Ein Gefühl, das einen nur schwer losläßt.

Soo das mal eine kleine Erklährung zum Thema Reenactment.Wohlbemerkt es ist nicht von mir ;) aber ich finde es passent.
MFG Ingo

Orginal ist auf der Seite von Furor Normannicus
zu finden


Besten Dank dafür das ich es benutzen darf :thumbsup:
Signatur von »Ingo«